Das Küken-Thema – ehrlich beleuchtet

Das Problem mit der Kükentötung in der Legehennenzucht wurde von der Öffentlichkeit erkannt. Landwirte, Politiker, der Handel und die Wissenschaft suchen nach Alternativlösungen. Auch wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht, Initiativen gestartet und wertvolle Erfahrungen in den letzten Jahren gesammelt. Erfahren Sie mehr über unsere Sichtweise zu diesem Thema - ehrlich und unverblümt!

Für die Eierproduktion braucht man nur die weiblichen Legehennen. Die ca. 40 Millionen pro Jahr in Deutschland schlüpfenden Bruderküken werden am 1. Tag aussortiert und getötet, da diese gezüchtete Hybridlinie keinen verwertbaren Fleischansatz liefert. Industriell als Lege- oder Masthühner genutzte Tiere nennt man "Hybridhühner", die aus der Kreuzung zweier Inzuchtlinien entstehen. Diese Hybride sind Hochleistungshühner, die gezielt auf hohe Eiproduktion oder Fleischertrag gezüchtet werden. 

Konventionell aufgezogene Masthühner leben nur 27-30 Tage länger als ihre männlichen "Kollegen" aus der Legehennen-Linie. Diese Tatsache sollte man realistisch im Vergleich berücksichtigen. Ebenso die sinnvolle Weiterverwertung der Bruderküken: größtenteils werden sie tiefgefroren an Zoos, Falknereien, Reptilienhandlungen oder Heimtiermärkte geliefert. Würden die Küken zur Fütterung nicht zur Verfügung stehen, müssten Mäuse oder Ratten alternativ gezüchtet und ebenfalls getötet werden.

In diesem Zusammenhang stellen sich uns folgende Fragen ganz objektiv:

•    Käme es nicht nur zu einer Verlagerung, die allerdings weniger emotional auf den
     Tierschützer wirkt?

•    Sind Tiere nicht alle gleichwertige Lebewesen?

•    Wer erfreut sich an der Tierschau in Gefangenschaft?

 

Bruderhahn-Initiativen sind sicherlich gute Lösungsansätze. Hier sollte man allerdings bedenken, dass ein Hahn aus der Legehennen-Haltung fast dreimal so lange zum Heranwachsen wie ein normales Masthuhn benötigt. Sie sind schlechte Futterverwerter und benötigen sehr viel Eiweiß um wenigstens etwas Fleisch anzusetzen. Die teuren Eiweißquellen stehen im biologischen Futtermittelbereich nur sehr beschränkt zur Verfügung und müssen beispielsweise in Form von Sesamkuchen aus Asien importiert werden. Eigentlich eine Ressourcen-Verschwendung, die nicht im Sinne einer ökologischen Landwirtschaft ist. Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass das "magere" und kostenintensive Bio-Fleisch der schlanken Bruderhähne vom Verbraucher nicht angenommen wird. So reduziert sich der Verwendungszweck nur auf eine Weiterverarbeitung für z.B. Bio-Fertiggerichte, Wurst oder Babynahrung.

Die Mehrkosten für diese lebensverlängernde Maßnahme sind nur durch eine Subventionierung über den Eier-Preis abzudecken. Auch wir haben eine Bruderhahn-Initiative mit den Produkten "hahn-henne-ei" und "Geschwistereier" vor einigen Jahren ins Leben gerufen und können dadurch unseren Kunden dieses Bio-Ei mit einem geringen Preisaufschlag anbieten. Als alleinige Lösung sehen wir dies allerdings nicht.

 

Eine gute und zukünftige Lösung kann sicherlich die In-ovo-Geschlechtsbestimmung sein, allerdings nur für die konventionelle Hühnerhaltung, da dadurch die Struktur der Großkonzerne noch gestärkt wird. Dies ist unserer Meinung nach nicht mit einem ökologischen Gedanken vereinbar, denn dieser beinhaltet auch immer den Erhalt und die Förderung von kleinen Strukturen. Die Anschaffungskosten solcher Maschinen zur Geschlechtsbestimmung könnten sich kleine Brütereien nur schwerlich leisten.

 

Unsere Vision von einer optimalen Lösung ist die Rückbesinnung auf Zweinutzungshühner, wie sie früher auf den Höfen gelebt haben. Die Hühner legen Eier (weniger als die heutigen Legehybriden) und die Hähne werden gemästet. Das hätte zur Folge, dass die Themen "Bruderküken" und "Bruderhähne" gelöst wären und sich die Legeleistung der Hennen entspannen könnte. Denn durch eine notwendige, kostendeckende Legeleistung einer Bio-Henne von ca. 270 Eier pro Jahr, entstehen mittlerweile sogenannte "Berufskrankheiten", wie z.B. Eileiterentzündungen und weitere Anfälligkeiten. Nicht wirklich im Sinne des Tierwohls!

 

Doch die Entwicklung der Geflügelzucht in den letzten 60 Jahren lässt sich nicht von heute auf morgen umkehren. Die Ökologische Tierzüchtung – eine Initiative von Bioland und Demeter – hat hier bereits gute Arbeit geleistet. Es wird allerdings noch andauern bis die Züchtung einer wirtschaftlicheren Zweinutzungsrasse gelungen ist. Solange können die Geschlechtsbestimmungen im Brutei oder die Bruderhahn-Initiativen als "Übergangslösungen" betrachtet werden.

 

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass bei der Entwicklung hin zum Zweinutzungshuhn auch ein Umdenken beim Verbraucher erforderlich wäre. Eine geringere Legeleistung würde sich unmittelbar auf Verfügbarkeit und Preis auswirken. Das Produkt "Bio-Ei" bekäme einen anderen Stellenwert. Und hier bleibt natürlich auch abzuwarten, ob der Konsument im Sinne des Tierwohls diesen Weg mitgeht. 

Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft und wünschen uns weiterhin eine positive Entwicklung zum Wohle aller, verbunden mit einem achtsamen und wertschätzenden Miteinander unter uns Menschen, zu unseren Tieren und zu unserer wunderschönen Natur. 

 

 

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